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"Czernowitzer Austria"
eine "Videointervention" und Interaktion mit "Austria"
Eine weibliche allegorische Figur, die einst zum Jubiläum der Besitzergreifung
auf den Stadtplatz der Hauptstadt eines okkupierten Landes gestellt wurde,
ist "Projektionsfläche". Projiziert wird mit unterschiedlichen
Mitteln, in verschiedenen Ebenen und Richtungen. Die Hauptachse geht von
innen nach außen, von unten nach oben - die Köpfe männlicher
Vertreter der Macht werden aus dem durch den Verlauf der Geschichte kopflos
gewordenen Körper der nationalen Personifikation (Austria) auf den
Plafond projiziert.
Diese Köpfe sind
Versuche, den verlorenen Kopf zu ersetzen, und zeigen in der Beliebigkeit
ihrer Auswahl die Auswechselbarkeit von Machthabern und -symbolen. Mittels
"Morphing" (gleichförmige Transformation eines gegebenen
Quell-Bildes in ein gegebenes Ziel-Bild) verwandeln sich die Köpfe
nahezu unmerklich und gehen fließend ineinander über.
Die Position des männlichen Kopfes über dem weiblichen Körper
thematisiert Rollenbilder und Machtpositionen. Diese Grundthematik bestimmt
das gesamte, vielschichtige Projekt.
Außer dem Video
"Köpfe der Macht", das aus der Figur auf die Decke des
Ausstellungsraums projiziert wird, kommt dieses Medium noch mehrmals vor,
um auf den unterschiedlichen Geschlechtsbezug in der gesellschaftlichen
Rollenverteilung anzuspielen. So erscheinen die nackten Brüste einer
Frau über den "bekleideten" Brüsten der Figur, eine
weibliche Hand in hausfraulicher Tätigkeit (Schneidetätigkeit)
ergänzt die "fehlende" linke Hand, und auch das Video "die
Geburt Österreichs" am unteren Teil der Austria beschäftigt
sich mit einem Frauenthema.
Eine Interaktion soll
das Publikum in das symbolträchtige Geschehen miteinbeziehen. Die
BetrachterInnen werden eingeladen, sich vor der "Austria" auf
einem rot-weiß-rot gehaltenen Kissen mit dem mehrsprachigen Aufdruck
"bitte hier knien" niederzuknien - und lösen dadurch folgende
Kettenreaktion aus: innerhalb einer rot-weiß-roten Polizeiabsperrung
dreht sich eine kleine Austriafigur auf Rädern zur Melodie des Donauwalzers
im Kreis.
Die Interaktion mit der Austria steht jeder und jedem frei und beschränkt
sich zeitlich auf die Dauer des Kniens. Die Teilnahme von außen
am Geschehen ermöglicht die (vermeintliche) Teilhabe an einem geschlossenen
(politischen) System. Die Eingriffsmöglichkeiten sind begrenzt, der
Bewegungsablauf ist vorgegeben, die Bewegung kann jedoch durch das Knien
jederzeit gestartet und gestoppt werden.
Gleichzeitig filmt eine
Überwachungskamera die/den Kniende(n) und zeigt sie/ihn in einem
Monitor (dieser Monitor kann sich, wenn räumlich möglich, in
einem anderen Raum befinden, bzw. ist der Monitor im Raum so positioniert,
dass er für den Knieenden nicht sofort als Überwachungsmonitor
erkennbar und einsehbar ist).


DANK AN:
Christian und Anita Poneder; Mario Werndl; Christian Gruber; Firma Bayer;
Günter und Martin Stöllnberger; Andreas Metzger;
Christina Hinterleitner; Anita; Arno und Reinhard Waldhauser
Margareta Lindinger; Michael Hubner; David Koblick; Tassilo Blittersdorff;
Christian Vogelauer; Roland Strauss;
Heidi Harsieber; Victoria Obermeier;
Stadt Steyr; Vizebürgermeister Dietmar Spanring; Ennskraft; Phil;
Charlie Schetl; Gertraud Keiler
Musik: Kammerorchester
Waidhofen (An der schönen blauen Donau)
© Bernadette Huber. 2006
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