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BRÜCKEN:SCHLAG
Die "Czernowitzer Austria" - Symbole und Identitäten in einem neuen Europa

ein Projekt des Instituts für kulturresistente Güter (Wien)


der Austriaplatz in Czernowitz um 1880, die Statue galt seit 1918 verschollen

Die marmorne Allegorie der "Austria" des Wiener Bildhauers Karl Pekary stand als Zeichen österreichisch-ungarischer Machtpräsenz ab 1875 am Austria-Platz in Czernowitz (Bukowina, heutige Ukraine). Im Jahr 1918 verschwand die "Austria" unter ungeklärten Umständen. Im Mai 2003 tauchte der zwei Meter große Torso der Statue bei Bauarbeiten überraschend wieder auf. In einem internationalen Kunst- und Kulturprojekt beschäftigten sich im Jahr 2006 Künstler/innen aus Ungarn, der Slowakei, Polen, der Ukraine und Österreich mit der Neuinterpretation jeweils eines originalgetreuen Abgusses der Statue, um deren symbolische Relevanz zu untersuchen.
Das Projekt "Brücken:schlag - Symbole und Identitäten in einem neuen Europa" - entwickelt und organisiert vom Institut für kulturresistente Güter (Leitung: Abbé Libansky, Barbara Zeidler) - wurde von Lucas Gehrmann, Maria Anna Potocka, Boris Ondrejicka und Jiri Sevcik kuratiert. Bernadette Huber (lebt und arbeitet in Steyr) wurde als österreichische Teilnehmerin für dieses Projekt ausgewählt.

Die zehn "neuen" Austria-Skulpturen wanderten von 2006 bis 2007 durch das "neue" Europa mit Stationen in Krakau, Budapest, Bratislava, Wien und Czernowitz - und symbolisierten die unterschiedlichen Visionen, Blickwinkel und Entwürfe der gegenwärtigen strukturellen Veränderungen. Der Umgang mit (u.a. politischen) Symbolen und ihrer Bedeutung für Gegenwart und Zukunft im neuen Europa war Thema des Projektes. Lässt sich Identität symbolisch verorten, wie wird Identität konstruiert, welche Symbole werden in der Zukunft Bedeutung haben?, sind Fragen, die anhand der Auseinandersetzung mit dem Statuenfund und dem künstlerischen Umgang damit diskutiert werden konnten.
Bernadette Hubers multimedialer Projekt-Beitrag ist nun nach Steyr zurückgekehrt. Ihre Arbeit "Czernowitzer Austria. Eine Videointervention und Interaktion mit Austria" konnte an verschiedenen Ausstellungsorten der oben genannten Städte gezeigt werden.

Weitere Infos zum Projekt:
www.kulturresistent.net
Volkskundemuseum, Wien (Archiv Ausstellungen)

http://www.bernadettehuber.at/czernowitzer_austria

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Bernadette Huber
"Czernowitzer Austria"
eine "Videointervention" und Interaktion mit "Austria"




Eine weibliche allegorische Figur, die einst zum Jubiläum der Besitzergreifung auf den Stadtplatz der Hauptstadt eines okkupierten Landes gestellt wurde, ist "Projektionsfläche". Projiziert wird mit unterschiedlichen Mitteln, in verschiedenen Ebenen und Richtungen. Die Hauptachse geht von innen nach außen, von unten nach oben - die Köpfe männlicher Vertreter der Macht werden aus dem durch den Verlauf der Geschichte kopflos gewordenen Körper der nationalen Personifikation (Austria) auf den Plafond projiziert.

Diese Köpfe sind Versuche, den verlorenen Kopf zu ersetzen, und zeigen in der Beliebigkeit ihrer Auswahl die Auswechselbarkeit von Machthabern und -symbolen. Mittels "Morphing" (gleichförmige Transformation eines gegebenen Quell-Bildes in ein gegebenes Ziel-Bild) verwandeln sich die Köpfe nahezu unmerklich und gehen fließend ineinander über.
Die Position des männlichen Kopfes über dem weiblichen Körper thematisiert Rollenbilder und Machtpositionen. Diese Grundthematik bestimmt das gesamte, vielschichtige Projekt.

Außer dem Video "Köpfe der Macht", das aus der Figur auf die Decke des Ausstellungsraums projiziert wird, kommt dieses Medium noch mehrmals vor, um auf den unterschiedlichen Geschlechtsbezug in der gesellschaftlichen Rollenverteilung anzuspielen. So erscheinen die nackten Brüste einer Frau über den "bekleideten" Brüsten der Figur, eine weibliche Hand in hausfraulicher Tätigkeit (Schneidetätigkeit) ergänzt die "fehlende" linke Hand, und auch das Video "die Geburt Österreichs" am unteren Teil der Austria beschäftigt sich mit einem Frauenthema.

Eine Interaktion soll das Publikum in das symbolträchtige Geschehen miteinbeziehen. Die BetrachterInnen werden eingeladen, sich vor der "Austria" auf einem rot-weiß-rot gehaltenen Kissen mit dem mehrsprachigen Aufdruck "bitte hier knien" niederzuknien - und lösen dadurch folgende Kettenreaktion aus: innerhalb einer rot-weiß-roten Polizeiabsperrung dreht sich eine kleine Austriafigur auf Rädern zur Melodie des Donauwalzers im Kreis.
Die Interaktion mit der Austria steht jeder und jedem frei und beschränkt sich zeitlich auf die Dauer des Kniens. Die Teilnahme von außen am Geschehen ermöglicht die (vermeintliche) Teilhabe an einem geschlossenen (politischen) System. Die Eingriffsmöglichkeiten sind begrenzt, der Bewegungsablauf ist vorgegeben, die Bewegung kann jedoch durch das Knien jederzeit gestartet und gestoppt werden.

Gleichzeitig filmt eine Überwachungskamera die/den Kniende(n) und zeigt sie/ihn in einem Monitor (dieser Monitor kann sich, wenn räumlich möglich, in einem anderen Raum befinden, bzw. ist der Monitor im Raum so positioniert, dass er für den Knieenden nicht sofort als Überwachungsmonitor erkennbar und einsehbar ist).



DANK AN:
Christian und Anita Poneder; Mario Werndl; Christian Gruber; Firma Bayer; Günter und Martin Stöllnberger; Andreas Metzger;
Christina Hinterleitner; Anita; Arno und Reinhard Waldhauser
Margareta Lindinger; Michael Hubner; David Koblick; Tassilo Blittersdorff; Christian Vogelauer; Roland Strauss;
Heidi Harsieber; Victoria Obermeier
; Stadt Steyr; Vizebürgermeister Dietmar Spanring; Ennskraft; Phil;
Charlie Schetl; Gertraud Keiler
Musik:
Kammerorchester Waidhofen (An der schönen blauen Donau)


© Bernadette Huber. 2006

 

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