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I can repeat what you say
"Hercules", Hausaltärchen mit Sprechmechanismus
14,5 x 34 x 8,5 cm, 1997

Die Installation "I
can repeat what you say" wandelt den Andachtsanspruch eines Hausaltärchens
zu einer vielschichtigen Interaktion von Devotionalgegenstand und Publikum.
Das poppig-exotische, aus Billigmaterial produzierte Schränkchen
bewegt sich im Spannungsfeld Religion und Kitsch und reflektiert Rollenbilder
und Mythologien.
Die christliche Protagonistin im bunt beleuchteten Schrein, die Madonna,
wird durch einen Plastik-Herkules, eine Spielzeugfigur ausgetauscht. "Herr-Kules"
ersetzt die Frau. Ein männlicher Held und heidnischer Halbgott besetzt
die Stelle der christlichen Gottesmutter.
Das Publikum kann mit dem Hausaltar sprechen, Fragen stellen: Herkules
gibt immer Antwort. Doch die Gespräche mit ihm sind einseitig, seine
Antworten sind die mit verzerrter Stimme wiederholten Sätze -- diese
Wiederholung ist ein (interaktiver) Spiegel der Umwelt und erinnert an
das Sibyllenorakel, eine weibliche Tradition antiker Kultgebräuche.
Durch eine geringfügige Gestaltungsmanipulation wird der Anbetungsgegenstand
in einen anderen Sinnzusammenhang gebracht. Ein Produkt der Alltags- und
Spielzeugwelt wird "religiöses Objekt" und käufliche
Devotionalie.
Zusammen mit anderen
Arbeiten, die Männerbilder thematisieren, wurde "I can repeat
what you say" 1997 erstmals in der Galerie im Traklhaus (Salzburg)
gezeigt. Peter Assmann schrieb im Ausstellungskatalog folgendes zu den
Arbeiten Bernadette Hubers:
"Männerbilder,
das Männliche einer Person, das Männliche seiner Erscheinung
- Schlagworte einer sozialen Geschlechterdiskussion, die in den letzten
Jahren in der Kunst besonders intensiv geführt wurde. Bernadette
Huber schließt in ihren jüngsten Arbeiten weder an diese Diskussionsstränge
an, noch konterkariert sie diese; mit großer Ironie sucht sie vielmehr
den Weg der Annäherung an dieses Thema. Sie stellt Frische und Originalität
anstelle ausgreifend aufgebauter Kunstkonzepte; sie verbindet vielschichtige
Ironie mit präziser Beiläufigkeit."...........
"Bernadette Huber operiert bewußt mit absolut gebräuchlichen
Alltagsobjekten, Alltagsbildern, um diese zum einen durch die Kombination
mit einem anderen Alltagselement - wobei hier etwa auch Textstellen als
ein solches Kompositionselement zu gelten haben - bzw. durch teilweise
minimale Gestaltungsmanipulationen in einen völlig neuen Sinnzusammenhang
zu bringen. Ihre Kompositionen funktionieren auf der Ebene alltäglicher
Wirklichkeit, aus der sie entnommen sind, wie Verkleidungen, wie karnevaleske
Formen, die in ihrem "als ob" um so drastischer die Hohlheit
des jeweils angestrebten Vollbildes aufzeigen: Die große Geste mutiert
zum potemkinschen Dorf; der Anspruch auf dominante Fülle erweist
sich als pure Kosmetik.
....... Auch wenn es gleichsam naheliegend wäre, setzt die Künstlerin
hier kein pauschales Aburteilen oder ausschließliches Den-Finger-in-die-Wunde-Legen.
Sie bemüht sich hier vielmehr, die jeweils verwendeten Accessoires
in ihrem jeweiligen Eigensinn zu erfassen - als seltsam vertraute Absonderlichkeit,
die gesellschaftliche Geschlechtsstereotype gleichsam rund um sich selbst
drehen läßt und die jeweilige Beziehung zum Betrachter als
eine Frage neu formuliert.
Diese (durchaus "Gretchen")
Frage richtet sich vor allem an die Identität des einzelnen mit quasi
"gesellschaftlich üblichen" Inhalten, sie stellt psychische
Haltungen vor - durchaus im Hinblick auf deren Korrekturmöglichkeit,
wie (wenig) weitreichend eine solche auch im Einzelfall sein kann.
"Mit anderen
Worten: Die Haltung "Von Mann zu Mann" und "Das verstehst
Du nicht, meine Liebe" bedürfen bei uns keiner besonderen psychischen
Disposition des einzelnen. Es bedarf einer besonderen psychischen Disposition
und Erziehung, diese Haltung nicht zu haben." (Aus: Klaus Theweleit:
Männerphantasien, 2. Bd., Frankfurt 1986, S. 385)
(Aus: Katalogtext von Peter Assmann, Galerie im Traklhaus, 1997)
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